Bündnis 90/Die Grünen

Ortsverband Weilburg

Lokale und globale Klimaveränderungen

Vortrag und Diskussion mit der Zukunftsforscherin Anna Katharina Hornidge

Weilburg, 30.01.2026/rm

Globale Krisen, geopolitische Verschiebungen, Kriege um Rohstoffe in der Ukraine und anderswo, Klimawandel – Weltpolitik der USA, Russlands– klingt oft weit weg. 

Tatsächlich aber wirken diese Entwicklungen direkt bis auf die lokale Ebene und stellen auch Städte wie Weilburg vor ganz konkrete Zukunftsfragen: Wie bleiben wir nachhaltig, handlungsfähig und resilient, wie kann hier Energie vor Ort gewonnen werden? 

 

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Grüne Fraktion 29.01.2026

letzte Stadtvervordnetenversammlung im Weilburger Komödienbau vor der Kommunalwahl am 15. März

Rede unserer stellv. Fraktionsvorsitzenden Renate Michel zum Haushalt 2026

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Hanisch,
sehr geehrte Damen und Herren des Magistrats,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Weilburgerinnen und Weilburger,

der vorliegende Haushalt ist mehr als ein Zahlenwerk.Er ist ein politischer Kompass, der Ziele, Prioritäten und Handlungsfelder in Zahlen transformiert. Er zeigt, ob wir die Herausforderungen unserer Zeit erkennen, verwalten –oder ob wir sie gestalten.

Wir danken dem Finanzteam um Frau Bauer, dem Hauptamt, dem Magistrat und Bürgermeister Hanisch für die Vorlage dieses Haushalts. In Zeiten von Krisen, Klimafolgen und knappen Kassen ist das keine leichte Aufgabe.

Wir Weilburger Grünen wollen diese Stadtpolitik konstruktiv mitgestalten –ökologisch, sozial gerecht und wirtschaftlich vernünftig.

Einnahmenseite ist stabil, aber nicht zukunftsfest.
Die Weilburger Unternehmen haben 2024 deutliche Gewinne erzielt –und diese Entwicklung hat sich in starken Gewerbesteuereinnahmen niedergeschlagen.Das ist ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort Weilburg.

Der Jahresabschluss 2024 weist einen Überschuss von 1,57 Millionen Euro aus –geplant waren 194.000 Euro. Das zeigt, unsere lokale Wirtschaft ist robust.

Aber: Diese Stabilität ist kein Selbstläufer. Globale Krisen, Handelskonflikte, Klimarisiken und neuerdings die erratische Zoll-Politik des Donald Trump machen Prognosen unsicher. Die Weltwirtschaft mit ihren Auswirkungen auf die Kommunen in volatil.

Deshalb sagen wir Grüne: Wir brauchen nicht nur stabile Einnahmen – sondern wir brauchen zukunftsfeste Einnahmen: wie

Einnahmen aus erneuerbaren Energien,
Pachten und Gewerbesteuer aus Windkraft,
kommunale Wertschöpfung aus Photovoltaik.

Das ist Klimaschutz und Haushaltspolitik.

2. Ausgaben: Hier entscheidet sich die Zukunft
Ein Haushalt zeigt sich nicht bei den Einnahmen, sondern bei den Ausgaben. Hier wird sichtbar, wofür wir Verantwortung übernehmen.  Der Haushalt 2026 ist nicht vollständig gedeckt, es fehlen rund 200.000 Euro.

Das ist wenig im Verhältnis zu 26 Millionen Euro Einnahmen.
Aber es ist viel, wenn man bedenkt, dass diese Summe durch Windenergie-Pachten und Gewerbesteuer aus diesen Anlagen längst hätten erwirtschaftet werden können.

Seit 2016 reden wir über Windenergie.
Seit 2016 lassen wir Millionen liegen.

Das Zögern in der Etablierung erneuerbarer Energien, seien es Flächen-PV-Anlagen, Windkraft oder Agri-PV ist ein politisches Versäumnis.

Ein Großteil der städtischen Ausgaben fließt in Kinderbetreuung und frühkindliche Bildung.
Das ist richtig. Das ist sozial gerecht und eine richtige Zukunftsinvestition
 

3. Schulden ja: Investieren – aber intelligent
Allein für Zinsen und Tilgung zahlt die Stadt über zwei Millionen Euro jährlich.
Die Kreditermächtigung 2026 liegt bei 7,2 Millionen Euro. Doch dieser Betrag  muss nicht ausgeschöpft werden.

Wir Grüne sagen:
Nicht jede Schuldenaufnahme ist per se schlecht.
Schlecht sind Schulden, wenn sie einen Stillstand verursachen.

Gut sind Schulden für Investitionen, die sich ökologisch, nachhaltig und finanziell rechnen, wie z.B.

  • energetische Sanierung öffentlicher Gebäude
  • Ausbau erneuerbarer Energien
  • Bildung, Kitas, Schulen
  • bezahlbarer Wohnraum
  • Schutz der Natur und Umwelt
  • Das Miteinander: Gemeinwesenarbeit, Förderung der Musikschule und Schlosskonzerte, Vereine und karitative Organisationen
  • Kinder- und Jugendarbeit
  • Infrastruktur einschließlich sicherer Radwege und sicherer Schulwege

Die Gesamtdarlehensverbindlichkeiten von 32,6 Millionen Euro dürfen nicht zur Dauerbremse für die Zukunftspolitik werden.

4. Bezahlbares Wohnen: ist sozial und klimafreundlich
Bezahlbares Wohnen sollte sozial und klimafreundlich sein. Die 500.000 Euro für den Ankauf von Häusern und die 205.000 Euro für den Umbau des ehemaligen Kindergartens in Ahausen sind richtige Schritte.

Aber sie reichen nicht. Der Wohnungsmarkt für Menschen mit geringem Einkommen ist leergefegt.

Wir brauchen:

  • kommunalen Wohnungsbau
  • die Stärkung der WGW
  • energetisch sanierte Bestandswohnungen
  • Innenentwicklung in der Stadt und in den Stadtteilen statt neuer Flächenversiegelung

Soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz gehören zusammen.

5. Personalpolitik: Menschlich, modern, zukunftsfähig
Der Fachkräftemangel in Verwaltungen und Kitas ist real, auch wenn die Stadt Weilburg heute noch in Kitas und Stadtverwaltung keinen Mangel an Bewerber*innen hat. Aber ein Fachkräftemangel in Verwaltung, Bauhof und Kinderbetreuung wird für die Zukunft prognostiziert, so Herr Röder vom Hessischen Städte- und Gemeindebund in seiner Rede anlässlich des Neujahrsempfangs des Lion-Clubs in Weilburg.

Deshalb sagen wir Grüne:

  • weniger Bürokratie
  • mehr Digitalisierung
  • mehr interkommunale Zusammenarbeit

Und ja: Eine humane Migrationspolitik auf Bundes- und Landesebene gehört auch dazu. Denn momentan schiebt das Land Hessen qualifizierte Geflüchtete ab und gleichzeitig werden in den Mangelberufen Fachkräfte und Auszubildende aus dem Ausland angeworben. Das ist nicht nur widersprüchlich – es ist unvernünftig.

 

6. Der Naturschutz beginnt vor der Haustür
Mulchen öffentlicher Flächen in der Stadt Weilburg ist kein harmloses Pflegemittel.
Das Mulchgerät ist ein Schredder für Insekten, Kleintiere und Pflanzen.

Wir Grüne sagen: Artenschutz ist eine kommunale Pflichtaufgabe.

Daher brauchen wir in der Kommune:

  • Balkenmäher statt Mulchgeräte
  • weniger Mähintervalle
  • ein ökologisches Mähkonzept
  • die naturnahe Grünflächenpflege

Diese Maßnahmen erhalten die Biodiversität und sparen langfristig Geld und Arbeitszeit.

7. Energiegewinnung sollte kommunal, erneuerbar, wirtschaftlich sein
Die 300.000 Euro für PV-Anlagen sind ein wichtiges Signal. Aber Photovoltaik darf kein Prestigeprojekt sein. 300 000 € sind für die PV-Anlage auf dem Parkdeck Rathaus und auf dem Dach der Feuerwehr in Weilburg Kubach geplant. Aus diesem großen Topf können auch Mittel genutzt werden für die Erstellung einer Prioritätenliste aller städtischen Gebäude einschließlich der Wohnungen der WGW.

Wir Grüne fordern:

  • Priorität für Dächer mit hoher Wirtschaftlichkeit
  • klare Amortisationsrechnungen
  • Bürgerenergie-Modelle
  • Mieterstrom-Modell für die Wohnungen der WGW
  • Speicherung von Energie
  • Entwicklung einer Planung zu PV-Anlagen auf städtischen Liegenschaften – sog. Leuchtturmprojekte.

8. Klimafolgen: Vorsorge statt Reparatur
Wir brauchen:

  • Windkraft und PV als Einnahmequelle
  • Neuauflage des Klimaschutzkonzepts 2014
  • einen Klimabeirat
  • Retentionsflächen für Starkregen
  • Hitzerisikokarte
  • Entsiegelung
  • Begrünung, Beschattung öffentlicher Flächen

Klimaschutz ist kein Luxus, er ist Daseinsvorsorge.

9. Mobilität & Miteinander
Wir wollen:

  • sichere Radwege
  • sichere Schulwege und keinen teuren Straßenneubau
  • einen starken ÖPNV
  • lebenswerte Ortskerne und eine Innenstadt als Einkaufs- und Begegnungsort.

Schlussbetrachtung
Dieser Haushalt sichert Pflichtaufgaben. Aber er sichert noch nicht ausreichend unsere Zukunft.

Weilburg braucht:

  • mehr Mut zur Energiewende
  • mehr Investitionen in Natur- und Klimaschutz
  • mehr sozialen, altersgerechten Wohnraum
  • mehr kommunale Wertschöpfung

Wir Grüne stehen für eine Politik, die heute investiert, damit Weilburg morgen handlungsfähig bleibt.

Unsere Politik ist konstruktiv, verlässlich und zukunftsorientiert.

Gemeinsam geht’s.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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